Robert Polidori in Berlin

Robert Polidori

Der kanadische Fotograf Robert Polidori brachte schon 2001 aus der Todeszone von Tschernobyl sensationelle Fotografien mit. Der bekennende Autodidakt Polidori hat nie eine Fotoschule oder ähnliches besucht und lehnt dies auch ab. Er bezeichnet sich selbst als fotografierenden Soziologen. Seine Fotografien aus der Sperrzone rund um Tschernobyl und seine Aufnahmen nach der Flutkatastrophe Katrina in New Orleans sind einzigartige Dokumente des Fotojournalismus. Polidoris Bilder sind ohne Pathos und dennoch von ergreifender Eindringlichkeit. Seine Fotografien prägen sich ein und der Fotograf gehört zu jener alten Garde von Bildarbeitern, die sich wohltuend von der heute gängigen postmodernen Beliebigkeit unterscheiden. Der Mann hat in seinen Bildern viel mitzuteilen. Nach der großen Ausstellung von 2006 im Martin-Gropius-Bau in Berlin sind jetzt wieder Fotografien in der Galerie Camerawork in Berlin zu sehen. Die Ausstelung zeigt großformatige Fotografien vom Kreml, aus Versailles und Kuba. Die Ausstellung läuft noch bis 13. September 2008. Seine Bücher sind im Steidl-Verlag erschienen.(f)

Vom Untergang der Welt

F.Giebichenstein
F.Giebichenstein

Der italienische Wissenschaftsautor Lorenzo Pinna war immer schon ein Meister der Fakten und der Recherche. Das Resultat seiner jahrelangen Analysen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse liegt jetzt als Buch vor. Mit dem Werk ist dem Autor ein desillusionierender Zustandsbericht des Raumschiffes Erde gelungen, der aufgrund der Fülle des verarbeiteten Materials und der darin enthaltenen Ideen seinesgleichen sucht. Pinna gehört keines keineswegs zu den routinierten Propheten der Endzeit, die mit Beelzebub und Fegefeuer drohen. Hysterie, Aberglauben oder vulgäre Alltagspsychologie interessieren ihn nicht. Eher ist er ein fatalistischer Chronist, der mit treffsichererer Gelassenheit den abenteuerlichen Niedergang der Welt orchestriert. Seine Hypothesen beschäftigen sich eingehend mit der Evolution des Menschen, seiner unermesslichen Ausdehnung und deren Folgen. Für Pinna ist es kein biologischer Erfolg, dass die Spezies Mensch kurz vor der nächsten Jahrtausendwende zum Herrscher über den Planeten geworden ist. Er zeigt uns die Kehrseite unseres megalomanischen Wachstums. Schon jetzt sterben täglich etwa vierzig Pflanzen- oder Tierarten. Was sich Menschheit nennt ist ein Monstrum, der Homo sapiens hat mit zunehmender Globalisierung der Zivilisation die Mechanismen, die das ökologische System der Erde regulieren, verändert.. Doch neben dem unausweichlichen Horror der Umwelt- und Naturkatastrophen lauern noch andere Gefahren. Es entstehen beispielsweise neue Epidemien und immer resistenter werdende Viren. Pinnas historisches Wissen scheint unerschöpflich. Auch subtile Zusammenhänge veranschaulicht er allgemeinverständlich. Er taucht tief hinab in die Welt der Details, es ist eine ekelhafte Reise, angehäuft mit den Grausamkeiten der Bevölkerungsentwicklung und der Barbarei der Menschheitsgeschichte. Auch Pinnas Bestandsaufnahme der modernen Welt fällt unversöhnlich aus. Chaotische Umwälzungen stehen bevor, knappe Ressourcen, Überbevölkerung vermehren die Kriege, über zweitausend Ethnien suchen nach ausreichender Nahrung und dem Wohlstand der westlichen Welt. Sollte das Schicksal unserer Gattung damit noch nicht endgültig besiegelt sein, resümiert Pinna, wartet noch die Bedrohung aus dem Kosmos. Wenn wir nicht von Kometen oder Asteroiden erschlagen werden, dann ist nach fünf Milliarden Jahren endgültig Schluss mit dem Experiment Leben. Dann nämlich erlischt die Sonne.(f.)

Lorenzo Pinna
dtv, München
1995, 253 Seiten, DM 19,80

Die Industrialisierung des Körpers

F.Giebichenstein

Vor fünfhundert Jahren begann mit dem ersten Versuch einer Bluttransfusion die kommerzielle Ausbeutung des menschlichen Körpers. Das dieser Versuch mit dem Tod aller Beteiligten endete, ist für den amerikanischen Wissenschaftskritiker Andrew Kimbrell nur ein vorausweisendes Symbol. Mit seinem Werk The Human BodyShop ist Kimbrell ein Kompendium über die Geschichte der Industrialisierung des Körpers gelungen. Seine medizinhistorischen Recherchen reichen von den ersten Transfusionstechniken bis zu den spätkapitalistischen Varianten einer völlig entgleisten Körperindustrie, die ausschließlich nach den Regeln prosperierender Märkte funktioniert. Kimbrell zeichnet nach, dass die einst humanistisch geprägte Intention von tabubrechenden Körperexperimenten in der Medizin heute einer mechanischen Auffassung des Lebens anheimgefallen ist, die in der Konsequenz aus Menschen Biomaschinen macht. Durch die rasanten Entwicklungen in den technischen Wissenschaften sind in den Laboratorien dieser Biofabriken möglich, die man mit der nuklearen Revolution in der Physik vergleichen kann. Der Körper ist zur Produktionsstätte geworden, die Einheit von Körper und Geist weicht einer Maschinenidee vom Leben, für die freier Wille nur Ausdünstungen der Materie sind. So ist es gleich, ob Gene patentiert, Zellen kopiert oder fetale Gewebe gezüchtet werden, denn längst bestimmt das Evangelium des Marktes das Handeln. Kimbrell macht deutlich, dass wir am Beginn einer wissenschaftlichen Biosklaverei stehen, an deren Ende Horrorszenarien einer posthumanen Eugenik und ein noch nie dagewesener Selektionsdruck stehen. Für ihn ist klar, dass sich Tendenzen wie der internationale Organhandel ohne kategorische Einflussnahme nicht mehr kontrollieren lassen werden. Spätestens an diesem Punkt gleichen die Aussagen Kimbrills den Gedanken des Philosophen Paul Virilio. Doch geht Virilio in seiner Analyse einen Schritt weiter. Er sieht hier evolutionäre Kräfte wirksam werden. Schon seine Theorien über die multimedialenKriege in Echtzeit, seine Schlussfolgerungen über das dromologische Dasein im postindustriellen Zeitalter, vermitteln eine Ahnung von den letzten Transformationen des menschlichen Bewusstseins. Virilio weiß, dass nach der vollständigen Urbanisierung des Planeten und der damit verbundenen Globalisierung der Informationsnetzwerke eine Epoche der radikalen Kolonialisierung des Körpers begonnen hat. Wurden bisher in der Zeit der Höchstgeschwindigkeiten nur unsere Wahrnehmungen abgekoppelt von dem was unser Sinnesapparat überhaupt verarbeiten kann, so kommt für jetzt noch der allmähliche Verlust des Körpers hinzu. Dieser Verlust bedeutet für Virilio nur den Auftakt für die letzte Revolution der Geschwindigkeit, die der Transplantationstechnik. Er sieht in der prothetischen Chirurgie, den biochemischen Manipulationen der Gentechnik und der modernen Mikrophysik eine allumfassende Veränderung der gesellschaftlichen Ethik. Es werden hier perfekte Technologien der Virtualität angewandt, die den Code für das automatische Verschwinden des Realen und somit der Welt in sich tragen. Der Mensch ist sozusagen überfällig, zum Opfer seines hybriden Fortschrittsglaubens geworden. Individualität, persönliche Ich-Erfahrungen und die Kommunikation der Menschen, werden in ein sinnentleertes, elektrisches Alphabet verflüssigt. Langsam aber stetig werden wir zu den Apparaten, die wir benutzen: an Stelle von Kultur und Imagination tritt ein stoisches Vegetieren in der vielfachen Einsamkeit. Der Körper ist nur noch eine intraorganische Benutzeroberfläche für die Pharmasoldaten und Realitätsdesigner des angebrochenen Siliziumzeitalters. Virilio seziert diesen Zustand nach dem rasenden Stillstand, er beschreibt ähnlich wie Kimbrell einen Laborgrusel, der nicht haltmachen wird vor der Auslöschung des politischen und metaphysischen Daseins des Menschen. Unsere Seele wird zur Beute von Mikroprozessoren, unsere Sehnsüchte und Begierden verlieren sich in den verinnerlichten Komponenten einer kalten Bioethik. Virilio sieht dahinter die Wahnidee, den menschlichen Körper an das Zeitalter der absoluten Geschwindigkeit elektromagnetischen Wellen anzugleichen. Der Körper soll im Gleichklang mit der Maschine vibrieren, der Mensch tritt in die vernichtende Realität der Beschleunigung. Aber Virilio sieht auch den politischen Horror dieser Ausdehnung. Das überreizte Wesen verlässt den Informationshighway in eine Art Knechtschaft der Effizienz; nur noch das anpasste, überrüstete Gesunde wird sich behaupten können. Hier hat die Technosphäre über die Biosphäre gesiegt: wir leben nicht mehr im Zentrum der Ereignisse, sondern an der Peripherie der Wahrnehmungen. Auswirkungen dieser Misere sind heute schon sichtbar. Es entstehen immer schneller und effektiver Produkte für eine leere und wertfreie Prothesenwelt, die nur noch durch ihre Namen an ihren Ursprung erinnern Die modernen Arbeitswelten sind durchdrungen von dienstbar gemachten sozialen Verhaltensweisen, die sich auf rein funktionale Affekte stützen. Virilio lesen bedeutet, die Nervosität der Jahrtausendwende zu empfinden. Seine Texte sind erkenntnistheoretische Collagen, die uns von einer somnambulen Zukunft berichten.(f.)

Andrew Kimbrell: Ersatzteillager Mensch. Übersetzt von Thomas Steiner.
Paul Virilio: Die Eroberung des Körpers. Übersetzt von Bernd Wilczek

Das holographische Inferno

F. Giebichenstein

Nach dem großen Erfolg seiner Neuromancer-Trilogie ließ sich William Gibson mit seinem neuen Romanprojekt Virtuelles Licht Zeit. Stattdessen reiste er, schrieb für die amerikanischen Szene-Magazine Mondo 2000 und Wired Reiseberichte über Tokio und Singapur. Er besuchte jeden Kongress zwischen Wladiwostok und San Franzisco über Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität. Daneben arbeitete er noch am Drehbuch zu Alien III, veröffentlichte mit Bruce Sterling, dem Autor von Schismatrix, den historischen Roman die Die Differenzmaschine, der an die Geschichte von Charles Babbage (1792-1871) erinnert, dem Erfinder einer programmgesteuerten Rechenmaschine. Aus dem viktorianischen Zeitalter zurückgekehrt, begann Gibson schließlich mit Virtuelles Licht, seinem vielleicht letzten Science Fiction-Roman. Denn Gibson hat sich weiterentwickelt. Er will nicht länger Ideengeber sein für eine Merchandise-Industrie, die sich selbst ausschlachtet. Der Cyberspace-Kult ist im industriellen Mainstream versandet, das hat der Autor begriffen. Virtuelles Licht fand sich dennoch kurz nach Erscheinen auf den amerikanischen Bestenlisten wieder. Der über dreihundert Seiten lange Roman kann als Abrechnung mit unserer lebensfeindlichen Dekade verstanden werden. Hatten seine frühen Werke noch die Hoffnung auf eine anarchistische elektronische Subkultur, so rauscht Virtuelles Licht hinab in die perfiden Abgründe eine Hyperrealität, die grausamer und mörderischer kaum geschildert werden kann. Das Buch ist ein Endzeit-Öko-Thriller, angereichert mit den für Gibson typischen Versatzstücken aus Fiktion und Realität. Der Plot ist eher konventionell, doch die Geschichten sind in Gibsons Büchern ohnehin sekundär. Er erzählt Situationen aus dem Leben eines gescheiterten Ex-Polizisten, begibt sich dabei dicht in die Nähe zu den Underground-Cop-Stories von James Ellroy. Doch es ist das Jahr 2005 und der Planet ist ein Müllbiotop. Die Weltmeere sind zu lecken Ölteichen verkommen, Seuchen und Naturkatastrophen haben für den Rest gesorgt. Der Autor ist härter und pessimistischer geworden, für ihn ist dies nur eine logische Konsequenz seiner augenblicklichen Wahrnehmungen. Er schildert das Leben in den Großstädten Kaliforniens, doch ebenso könnte Berlin für San Franzisco und Lissabon für Los Angeles stehen. Gibson präsentiert ein ausgemendeltes Bild einer nahen Zukunft, das sich schon in unseren Tagen abzeichnet. Die soziale Segmentierung ist längst abgeschlossen, die Besitzenden leben im Verborgenen, getarnt in unabhängigen Strichcodebunkern, die selbst die eigene Scheiße recyceln und aufbereiten können. Das Eigentum wird bewacht von korrupten Sicherheits-Dienstleistern, die den noch korrupteren Administrationen zuarbeiten. Satelliten im Orbit, Datennetze und Videosysteme ermöglichen die totale Überwachung. Aufruhr und Rebellion werden mit waffenstarrenden Kampfhelikoptern bekämpft, es bleibt nur noch Asche und Resignation. Verfassung und Justiz sind zu banalen Gameshow-Parodien verkommen, nur wer es auf den Fernsehschirm schafft, hat für wenige Augenblicke Bedeutung. Die Medien sind hypertrophe Organe, aus ihren über dreihundert Fernsehkanälen gospelt das Ende der Moderne. Hardcore-Pornos in Form von Hologrammen, Videosekten, Gangs jeder Couleur, religiöse Fanatiker, Talkshows lähmen die Gehirne der Menschen. Die Sprache des neuen Jahrhunderts produziert nur noch Leere. Die Armut ist verheerend,. das Bewusstsein der meisten ist überfüttert durch synthetische Designerdrogen wie Ice oder Dancer. LSD, PCP oder Kokain wirken gegen diese Substanzen wie Beruhigungspillen aus dem Reformhaus. Das limbische System ist nur noch ein Affektsystem. Jeder ist bewaffnet, sei es nur mit einem Schlagstock der Peperonigas ausstößt. Gibsons Figuren irren einsam durch diese fraktale Kulisse des okkulten Firlefanzes und holographischen Siechtums. Das Leben des Einzelnen bedeutet in dieser Welt nichts, bleibt aber zugleich das einzige, was er besitzt. Sein Umfeld hat nur noch den Charakter der Bedrohung. Er lebt zoomorph, beschränkt auf niedere Instinkte, reduziert auf die primitivsten Überlebensriten. Doch selbst dies stellt Gibson in Frage. Denn die Heimat der überwiegenden Mehrheit der Menschen sind Ghettolandstiche und Abfallsiedlungen, über denen eine Aura der Fäulnis schwebt.Der Autor beschreibt eine todbringende Variante der postmodernen Trash-Kultur, wie sie in der Geschichte der Science-Fiction-Literatur seines gleichen sucht. Sieht man von der starren chronologischen Abfolge seiner Geschichte einmal ab, so entstehen im Geist des Lesers riesige, dreidimensionale Giger-Bilder, deren visionäre Kraft einen schaurigen Beigeschmack hinterlassen. Selbst Gibsons Gewaltdarstellungen sind des öfteren von einer ambivalenten, befreienden Schönheit, die nur dazu dient den Wert des Lebens neu zu entdecken. Das Leben neu entdecken, den Paradigmenwechsel im Geiste zu vollziehen, das ist das eigentliche Anliegen seines Buches. Auch das Virtuelle Licht, im Buch dargestellt als Informationspool, als übermächtige, artifizielle Mailbox, wird keine wirkliche Rettung bringen. Gibson vermittelt eine Ahnung davon, was es heißt, einer Kultur des Todes zu harren.

William Gibson: Virtvelles Licht. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Robert.Rogner& Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg 1993, 326 Seiten

Apokalyptische Realitäten

F.Giebichenstein

Schon seit H.G. Wells beherrscht die Idee der Verschmelzung elektronischer Maschinen mit dem menschlichen Gehirn die Science Fiction Literatur. Die Väter von William Gibsons Visionen kommen jedoch aus dem 20. Jahrhundert. Arthur C. Clarke, Philip K. Dick, J.G. Ballard, Stanislaw Lem zählen ebenso zu seinem Hintergrund wie Thomas Pynchon, J.L. Borges oder W.S. Burroughs. Gibson gelang, was nur wenigen seiner Kollegen glückte. Er übertrug den romantischen Impuls der sechziger und siebziger Jahre in die Eiseskälte des angebrochen Computerzeitalters. 1984 erschien Neuromancer, der erste Teil seiner Trilogie, die sich über Nacht anschickte zum Nachschlagewerk einer neuen Science Fiction-Epoche zu avancieren. Der Roman wurde fortan mit den bedeutendsten SF-Preisen übertschüttet, die Kritik überschlug sich mit Analysen und Lobpreisungen. William Gibsons neuromantischer Aufbruch ins dritte Jahrtausend hatte begonnen, die Bewegung der Cyperpunks war geboren. Gibsons Prosa ist pure Gegenkultur, sie ist die Chronologie vom Niedergang des Computerzeitalters. Neuromancer zeigt uns eine Welt der elektronischen Apokalypse roboterhaft, erbarmungslos, sterblich. Gibsons Dialoge sind erbrochene Statements aus dem Solarzeitalter, die Kulisse seiner neuen Welt sind Bruchstücke einer verlassenen High-tech-Hölle am Anfang des 21. Jahrhunderts. Gibsons Protagonisten sind einsame, anarchistische Computerhacker, geklonte Chipcowboys, die Datenbanken knacken und mit den Informationen die internationalen Software-Märkte beliefern. Sie schmuggeln, morden und überleben im Zwielicht gewaltiger Elektronikmultis. Ihre Körper sind mit biotechnischen Implantaten bestückt, ihre‚Ängste und Träume bestehen aus Hirntodphantasien, Explosionen und bewußtseinserweiternden Syllogismen der Grausamkeit. Der freie Markt in Gibsons Chromhölle bietet alles an Schrecken und Ernüchterung, woran in den Laboren der heutigen Wissenschaft enthusiastisch gearbeitet wird; gentechnische Ersatzteile, Augen, Geschlechtsteile, den Biochip-Nachwuchs. In Gibsons Technosphäre ist der Himmel nur noch eine graue Scheibe, und auch im zweiten Teil der Trilogie, Biochips, ändert sich daran wenig.Erneut sind die Handelnden professionelle Technopunks mit verspiegelten Sonnenbrillen, stets unterwegs im kybernetischen Raum ihres Computeruniversums. Gibson benutzt nach eigener Aussage den Computer nur als Metapher für das menschliche Gedächtnis. Jede seiner Gestalten spiegelt die Melancholie einer gestrandeten Welt. Die Dunkelheit seines multimedialen Hochsicherheitstraktes Erde, der Cyberspace, ist kein erbaulicher Ort. Im letzten Teil, Mona Lisa Overdrive, gibt uns Gibson einen Einblick in die Welt der nahen Zukunft. Hier regieren die Multis mit ihren Killerkommandos, Informationskriege beherrschen die Medien, dazwischen der Sud dunkler Ballungsgebiete. Fernab bewahrt sich Gibson die Hoffnung, das wir überleben werden. Der Psychologe Timothy Leary nannte Gibsons Trilogie das Neue Testament des 21. Jahrhundert. Das ist übertrieben, aber Lust das Weltall in Brand zu stecken hat der Autor schon.(f.)